Die A 20 spielt im norddeutschen Verkehrsnetz eine Rolle, die weit über eine europäische Transversale hinausgeht. Sie verbindet auch vorhandene Autobahnen miteinander und trägt auf diese Weise dazu bei, Verkehrswege in Norddeutschland zu vernetzen. Besonders interessant ist dabei die Verbindung A 23 und A 26, da auf diese Weise – neben der A 20 als Verbindung von Ost nach West – auch eine neue Autobahnverbindung vom Hamburger Hafen südlich der Elbe nach Norden bis hoch an die schleswig-holsteinische Westküste entsteht.
Die A 20 schafft also nicht nur Entlastungseffekte in Hamburg, sondern auch neue wirtschaftliche Verflechtungen, die in dieser Form bisher nicht denkbar waren.

Bis heute trennt die Elbe zwei Wirtschaftsregionen, obwohl räumliche Nähe und funktionale Ergänzung seit Langem erkennbar sind. Südlich der Elbe prägen die Kreise Stade und Cuxhaven die industrielle Struktur mit maritimer Wirtschaft, Energiewirtschaft und hafenaffinen Dienstleistungen. Nördlich der Elbe liegen die Kreise Pinneberg und Steinburg mit dem Industrie und Logistikstandort Brunsbüttel sowie dem direkten Zugang zum Nord Ostsee Kanal. Die Kombination aus A 20, A 26 und A 23 schafft erstmals eine durchgängige, leistungsfähige Verbindung, die diesen Raum faktisch zusammenführt.
Der A 26 kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Sie bildet das Ventil an der A 7, das Verkehre aus den Rhein-Ruhr- und Rhein-Main-Regionen im Hamburger Süden ableitet. Gleichzeitig bildet sie den Zugang von Norden her zum Hamburger Hafen, dessen wesentliche Teile südlich der Elbe liegen. In Verbindung mit der A 20 entsteht eine attraktive Alternative zum hochbelasteten Elbtunnel der A 7. Verkehr wird nicht nur verlagert, sondern besser verteilt, was Verlässlichkeit und Planbarkeit für Unternehmen deutlich steigert.
Mit dem Zusammenschluss von A 23, A 20, A 26 und A 7 entsteht zudem ein Autobahn Rechteck von erheblicher wirtschaftlicher Tragweite. Dieses Gefüge verknüpft den Hamburger Hafen, den Unterelberaum, die Westküste Schleswig Holsteins sowie die Industriestandorte an der Elbe zu einem funktionalen Wirtschaftsraum. Transportwege verkürzen sich, Erreichbarkeit verbessert sich, und die Infrastruktur erlaubt eine deutlich engere arbeitsteilige Abstimmung zwischen Industrie, Logistik und Energiewirtschaft.
Innerhalb dieses Rechtecks und in seiner unmittelbaren Nähe eröffnen sich neue Optionen für arbeitsteiliges Produzieren. Als Beispiele seien hier die Chemiestandorte Brunsbüttel und Stade genannt, dazu Bereiche, die sich funktional beidseits der Elbe ergänzen: Pharmaindustrie und Biotech, Lebensmittelindustrie und maritime Ernährungswirtschaft, dazu grundsätzlich auch die Energietechnik, in der Region Cuxhaven mit dem Fokus auf Großkomponenten für Offshore Windenergie, im Kreis Steinburg eher in Richtung Energiespeicherung. Vorleistungen können schneller zwischen Standorten wechseln, Produktionsketten lassen sich flexibler organisieren, und Unternehmen gewinnen Zugriff auf größere Arbeits und Absatzmärkte. Die Nähe zu Seehäfen und energieintensiven Standorten wirkt dabei als zusätzlicher Standortvorteil.
Die wirtschaftliche Dynamik dieses Raumes dürfte über seine Grenzen hinaus Wirkkraft entfalten. Die Verbindungslinien zwischen Hamburg, Heide und Bremerhaven beschreiben ein Dreieck, in dem sich Investition, Beschäftigung und Wertschöpfung gegenseitig verstärken. Die A 20 fungiert in diesem Zusammenhang nicht nur als Verkehrsweg, sondern als strukturprägendes Element regionaler Entwicklung. Die Metropolregion Hamburg hat diesen Raum außerhalb Hamburgs in ihrem „Räumlichen Leitbild“ von 2025 als „Deltastadt“ beschrieben, ein Dreieck, in dem Themen wie Energie, Net-Zero-Industrien und Küstenschutz als verbindende Themen wissenschaftlich und wirtschaftlich vertieft werden können.
In dieser Perspektive zeigt sich:
A 20 und A 26 sind keine isolierten Infrastrukturprojekte. Sie bilden gemeinsam mit der A 23 und der A 7 das Rückgrat eines norddeutschen Wirtschaftsraumes, der durch bessere Vernetzung an Wettbewerbsstärke gewinnt – regional, national und europäisch.
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